Augen zu und durch – die Nacht?

Am 1.2.2019 macht sich Bettenexperte Jens Rosenbaum, in einem Artikel für das Magazin “Cost & Logis” (Hotellerie für Profis) Gedanken zum Anspruch von Hotelgästen an die Betten..

Der Mensch glaubt nur was er sieht und nachts hat er die Augen zu. Ist das die Erklärung dafür, dass das Bett in der Hotellerie einen immer geringeren Stellenwert hat? Nur zur Erinnerung: 1956 wurde in Bremervörde der erste flexible und einstellbare Holzlattenrost der Welt erfunden, der das bis dahin bekannte System der Sprungfederrahmen ablöste. Ein Meilenstein in der Entwicklung der Schlafkultur. Erst kürzlich habe ich den Enkel des Erfinders in Bremervörde besucht und mir bei einem Rundgang durch das Werk die neuesten Entwicklungen angesehen.

Heute gibt es, über alle Hersteller hinweg, viele unterschiedliche Bettsysteme, die alle das Ziel haben, der Matratze und somit dem darauf liegenden Menschen eine optimale Unterfederung zu bieten. Dies vor Augen drängte sich mir die Erkenntnis auf, dass sich viele Hoteliers offensichtlich auf einer Zeitreise in die Vergangenheit befinden, und einige schon im Mittelalter angekommen sind. Da lag man noch auf dem harten Boden. Denn immer öfter konnte ich in letzter Zeit die leidige Feststellung machen, dass Hoteliers ihren Gästen einfach simple Bretter unter die Matratze schieben – bisweilen sogar im Singular: Sperrholzplatte. Der Begriff „Brett vor dem Kopf“ umschreibt ja nun wenig schmeichelhaft mögliche Defizite beim Denken. Trifft hier aber den Kern. Kein erwachsener Mensch würde sich freiwillig für die Version Matratze auf dem Boden (nichts anderes ist ein Brett) entscheiden. Klafft da nicht eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Werden nicht überall neue Life-Style Hotel-Konzepte zur individuellen Kundenansprache aus dem Boden gestampft? Mit teilweise atemberaubendem, innovativem Zimmerdesign, samt Regenwalddusche? Das ist auch gut so! Denn schon immer war das Hotel auch ein Ort, wo dem Gast mehr geboten wurde, als er von zuhause gewohnt war. Das Hotel ein Ort, wo Zukunft erlebbar ist. Warum dann aber bei den Betten dieser Rückschritt? Sicherlich, überall auch schöne neue Betten, aber vielfach eben nur visuell schön. Wenn dann aber das Licht aus ist und der Gast im Bett liegt? Visuell wirkt dann nichts mehr. Dann wird nur noch gefühlt. Bewusst wie unbewusst. Nun könnte man sagen: „Augen zu und durch die Nacht! Irgendwann ist ja wieder Morgen, Gäste vergessen schnell und Bretter sparen Geld.“ Ist das aber eine sinnvolle Strategie, gerade beim wichtigsten Produktionsfaktor? Im harten Konkurrenzkampf werden, neben Preis und visuellen Effekten für die Augen, Inhalte den Ausschlag geben. Daher mein Rat: Wenn die Augen zu sind, sollte die Story, die das Hotel zu erzählen hat, nicht aufhören, sondern beginnen.

Jens Rosenbaum

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Cost&Logis Kolumne (Website)